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Was Träume bedeuten

Noch immer rätseln Wissenschaftler über den Sinn des Träumens. Doch der Bedeutung unseres nächtlichen Kopfkinos sind sie auf der Spur
von Nina Himmer, aktualisiert am 24.05.2017

Nachts produziert unser Gehirn oft bunte Bilder. Fliegen ist ein häufiges Traummotiv

Panthermedia/Mariia Sniegirova

Das Herz rast, die Lunge brennt, die Beine werden schwer. Ein gehetzter Blick über die Schulter verrät: Der Verfolger ist uns dicht auf den Fersen. Mit jedem Schritt kommt er näher, während sich vor uns ein Abgrund auftut. Wir sitzen in der Falle, die Situation scheint ausweglos – bis auf einmal der Wecker klingelt. Manchmal ist es wunderbar aufzuwachen und festzustellen: Alles nur ein böser Traum.

"Verfolgt zu werden ist ein typisches nächtliches Szenario", sagt Professor Michael Schredl, Traumforscher und Leiter des Schlaflabors am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. Seit Jahrzehnten sammelt er Träume und erforscht die Bilder und Emotionen, die das Gehirn Nacht für Nacht durch unsere Köpfe jagt. Sie ähneln sich erstaunlich oft: Bereits in den 1950er-Jahren entwickelten Forscher den "Typical Dream Questionnaire", um wiederkehrende Muster in Träumen zu finden. Der Fragebogen wurde seitdem oft modifiziert und erweitert, sodass heute eine Art Rangliste der häufigsten Träume existiert. Egal, welche Studie man betrachtet, auf den vorderen Plätzen landen stets Themen wie Verfolgung, Zuspätkommen, Nacktheit, Fallen, Fliegen, eine Prüfung nicht bestehen, Schule und Arbeit oder der Tod eines nahestehenden Menschen.

Männer und Frauen träumen unterschiedlich

Die Untersuchungen zeigen außerdem, dass Frauen und Männer unterschiedlich träumen. Bei Männern sind Geld, Sex und Aggression die dominierenden Themen, während Frauen eher von zwischenmenschlichen Konflikten, Personen oder Klamotten träumen. Was auf dem ersten Blick erstaunlich klischeehaft wirkt, wundert Traumforscher Schredl nicht: "Träume haben mit unserer wachen Erfahrungswelt zu tun – und wir wissen zum Beispiel, dass Männer tagsüber häufiger sexuelle Gedanken haben. Das spiegelt sich in den Träumen wieder." Tatsächlich ist unser nächtliches Kopfkino nämlich gar nicht so stark von der Realität entkoppelt, wie viele denken. "In den meisten Träumen geht es um Grundthemen des Wachlebens, die nahezu alle Menschen betreffen", erklärt Schredl. Natürlich unterscheide sich die Bebilderung der Träume, doch in der Regel lasse sich ein Grundmuster erkennen. Um beim Beispiel der Verfolgung zu bleiben: "Dahinter steht das Muster, vor etwas Angst zu haben und ein Vermeidungsverhalten zu zeigen", so Schredl.

Auf diese Art lässt sich der Bedeutung vieler Träume nachspüren. Zum Beispiel jene des berühmten "Toilettentraums", der davon handelt, dass man dringend aufs Klo muss und partout keines findet. "Dahinter steht die Sorge, dass ein dringliches Bedürfnis aufgrund der aktuellen Umstände nicht befriedigt wird. In der Realität handelt es sich natürlich meist um ein anderes Bedürfnis", sagt Schredl. Ein Klassiker sind auch Prüfungsträume, die Studien zufolge eher Menschen mit hohem Bildungsniveau plagen. Das stützt die Annahme, dass die wache Gedankenwelt sich auf unsere Träume auswirkt. Dahinter stehen die Angst vor dem Versagen und das Gefühl, schlecht vorbereitet zu sein. Weil das Gehirn dabei auf kognitive Erfahrungen zurückgreift – wir alle haben schon Prüfungssituationen erlebt – fühlen sich solche Träume oft sehr real an.

Wie man Albträume loswird

Wovon wir träumen, lässt laut Studien auch Rückschlüsse auf den Charakter zu. So konnten Forscher zum Beispiel zeigen, dass ängstliche und depressive Menschen häufiger vom Fallen träumen als selbstbewusste und optimistische. So oder so: Wiederholen sich Träume, kann dies eine Art Wink des Bewusstseins sein. "Vielleicht hat man sich in einer Sache nicht weiterentwickelt oder ein Problem nicht gelöst", sagt Schredl. Gegen Prüfungsangst in Träumen etwa helfe die wiederholte Erfahrung, nicht zu versagen. Oder der Fokus auf den Gedanken: Ich bin gut vorbereitet.

Schon deshalb ist es mitunter hilfreich, Träume aufzuschreiben. So können ungelöste Themen ins Bewusstsein geholt werden. Weil wir Träume allerdings meist direkt nach dem Aufwachen vergessen, ist das gar nicht so einfach. Im Schlaf sind andere Hirnzentren aktiv als tagsüber. Wenn unser Denkorgan beim Aufwachen umschaltet, gehen deshalb oft Informationen verloren. Wer morgens noch ein paar Minuten liegen bleibt, den Zustand zwischen Schlafen und Erwachen hinauszögern und versucht, sich an Träume zu erinnern kann aber lernen, sie festzuhalten.

Dabei hilft es, dem Traumgeschehen einen Titel zu geben oder es direkt niederzuschreiben. Das ist übrigens auch eine gute Strategie, um Albträume loszuwerden. Wer einen Traum wach reflektiert, kann sich eine Bewältigungsstrategie überlegen. Psychologen nennen diesen Ansatz "Imagery Rehearsal Therapy". Dabei stellt man sich wiederholt ganz konkret ein anderes Ende für einen Traum vor, man schreibt quasi das Drehbuch des Traums um. Studien belegen, dass diese Strategie erstaunlich gut funktioniert. Wer allerdings sehr unter Albträumen leidet oder eine psychische Krankheit hat, sollte sich sofort an einen Arzt wenden. Denn eine Selbsttherapie könnte die Symptome womöglich verschlimmern.

Alle träumen – nur warum?

Wir wissen heute also einiges über die Bedeutung und Entstehung von Träumen. Strittig ist in der Wissenschaft hingegen nach wie vor, welchem biologischen Zweck die nächtlichen Bilder dienen. Manche Neurologen glauben, dass Träume nichts weiter sind als ein sinnloser Neuronensturm. Gerade weil wir sie sofort vergessen, sollten wir uns keine Gedanken darüber machen. Viele Wissenschaftler sind allerdings der Ansicht, dass Träumen der Verarbeitung von tagsüber Erlebtem dienen oder dabei helfen, Gelerntes zu verfestigen.

Vielleicht trainieren Träume das Gehirn auch für den Umgang mit bestimmen Situationen, dienen also der Gehirnentwicklung- und reifung. Dafür spricht, dass Säuglinge und Kleinkinder besonders intensiv träumen. Manche Forscher vertreten wiederum die These, dass wir im Traum lernen, mit Angstsituationen umzugehen. Dahinter steht ein evolutionsbiologischer Gedanke: Wer gefährliche Situationen vermeidet, hat eine höhere Überlebenschance. Welchem Zweck das Träumen letztlich auch dienen mag – klar ist, dass wir alle jede Nacht träumen. Auch dann, wenn wir uns nicht daran erinnern.



Bildnachweis: Panthermedia/Mariia Sniegirova

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