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Wie Sie Ihre Flugangst bekämpfen können

Statt Erholung bedeutet eine Flugreise für viele puren Stress. Wie Sie die Angst vorm Fliegen in den Griff bekommen
von Franziska Draeger, aktualisiert am 15.10.2016

Wahrscheinlich sitzt in jeder Passagiermaschine mindes­tens ein Fluggast, der gerade lieber an jedem anderen Ort wäre. 1,5 Prozent der Menschen in Deutschland leiden beim Fliegen unter starker Angst, wie eine Umfrage der Apotheken Umschau ergab.

Traumreisen in ferne Länder werden für sie zu Horrortrips, Dienstreisen fallen ihnen sehr schwer. Andere steigen gar nicht erst in eine Maschine: 7,4 Prozent der Bevölkerung sind aus Furcht noch nie geflogen.

Risiko eines Absturzes ist sehr gering

Flugangst zeigt sich in unterschiedlichen Formen. Manche Menschen haben so große Angst vor einem Absturz, dass niemand sie in ein Flugzeug brächte – auch wenn das Risiko rational gesehen gering ist: Auf eine Million Flüge kommen laut der International Air Transport Association, die die meis­ten großen Luftlinien vertritt, nur 0,81 Unfälle.

Für Menschen, die von München nach Berlin wollen, ist es unwahrscheinlicher, beim Fliegen Opfer eines tödlichen Unfalls zu werden, als wenn sie mit dem Auto ­fahren. In der Luft haben allerdings viele das Gefühl, ausgeliefert zu sein – und machen einen weiten Bogen um Flughäfen.

Gewitter werden umflogen

Andere würden gerne fliegen, fürchten sich aber zu sehr vor Turbulenzen, dem Start oder der Landung. "Turbulenzen sind nichts Ungewöhnliches und kein Grund zur Sorge", beruhigt Jörg Handwerg, Pilot und Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit. Die Luft ist keine einheitliche Masse, sondern immer in Bewegung.

Wenn sich Luft in der Sonne erwärmt und aufsteigt, sinkt daneben zum Ausgleich Luft ab. Das führt zu dem Phänomen, das Passagiere als Luftlöcher kennen. Diese stellen für das Flugzeug kein Problem dar; angeschnallt sein sollte man aber schon. "Für das Flugzeug gefährliche Verwirbelungen gibt es eigentlich nur in Ge­wittern", sagt Handwerg. Doch diese werden in der Regel umflogen. "Dafür haben wir ein gutes Wetterradar."

Flugangstseminar: Einen Blick ins Cockpit werfen

Manch einem hilft es schon, wenn er besser einschätzen kann, was genau in der Luft und im Flugzeug passiert. In Besucherparks oder in Flugangstseminaren können sie einen Blick ins Cockpit werfen. "Wir haben alle Geräte mindestens doppelt, ein einfacher System­ausfall ist also gar kein Problem", sagt Handwerg. "Und wenn einem Piloten etwas passieren sollte, kann sofort der andere übernehmen. Beide Piloten fliegen abwechselnd, und ein Wechsel ist problemlos."

Flugzeuge sind elastisch gebaut. "Das macht sie stabiler. Bei einem Jumbojet etwa können sich die Tragflächenspitzen um acht Meter nach oben biegen und wieder zurückschnalzen, ohne Schaden zu nehmen", sagt Handwerg. Flugangstseminare beinhalten zudem einen kurzen Sonderflug.

Auch Behandlung im Flugsimulator möglich

Eine Maschine voller Passagiere mit Flugangst, das klingt wie der ­Albtraum jedes Flugbegleiters. Doch betreut werden die Teilnehmer von speziell ausgebildetem Personal. Diese Kurse können zwar vielen helfen, doch nur 0,5 Prozent der Befragten mit Flugangst haben bereits einen besucht. Die Seminare sind nicht billig, kosten meist mehrere Hundert Euro.

Eine Alternative kann die Behandlung in einem Flugsimulator sein. An der Universität Würzburg etwa steht solch ein Gerät. Auf einem beweglichen Stuhl setzen Personen mit Flugangst eine Brille auf, die den Therapieraum völlig ausblendet. Stattdessen sehen sie eine virtuelle Flugzeugkabine mit Fens­tern und Sitznachbarn. Der Stuhl kann sich in alle Richtungen bewegen und so Luftlöcher oder Wirbel nachahmen.

Die Angst aushalten können

Der Psychotherapeut Dr. Harald Krebs arbeitet gern mit der Anlage. "Ich kann einen Kurzflug simulieren, mehrere Starts oder Turbulenzen nacheinander – je nachdem, was jemand am meisten fürchtet." Es gibt aber auch Menschen mit Flugangst, die von diesem Training weniger profitieren. Sie leiden zum Beispiel an Angst vor engen Räumen oder fürchten sich vor größeren Menschen­ansammlun­gen.

Manche erleiden häufig Panik­attacken ohne einen bestimmten Auslöser. Dann ist ihre Sorge groß, davon im Flugzeug ereilt zu werden – unter den Augen der anderen Passagiere und ohne die Möglichkeit, zu entkommen. "Diese Personen haben gute Aussichten, wenn sie eine Therapie machen", sagt Krebs. Für ihn ist das wichtigste Therapie-Element, dass Betroffene erleben, die Angst aushalten zu können.

Sich nicht in die Angst hineinsteigern

Er gibt seinen Patienten Ratschläge an die Hand, die ihnen helfen sollen, sich in die aufkommende Angst nicht hineinzusteigern, sie aber auch nicht zu unterdrücken. "Beides kann das Ganze eher verschlimmern", sagt Krebs. Menschen mit Angstattacken sind oft sehr feinfühlig für erste Anzeichen, sie merken zum Beispiel, dass ihr Herz schneller schlägt oder sie ein leichter Schwindel erfasst. "Wenn sie eine Attacke einmal bewusst durchstehen, merken sie, dass ihnen nichts geschieht."

Das half auch einem Patienten, der bei Harald Krebs Rat suchte. Der fürchtete so sehr, sich in einer Panik­attacke nicht mehr unter Kontrolle zu haben, dass er sich bei Flügen mit einer dünnen Schnur am Sitz festband. "Er hatte Angst, dass er in seiner Verwirrung aufstehen, die Kabinentür öffnen und aus dem Flugzeug springen könnte." Durch die Therapie verlor er einen Teil seiner Angst vor der Angst.

Flugangst nicht mit Beruhigungsmitteln dämpfen

Entspannungstechniken können ebenfalls die Sorge vor dem nächsten Flug mindern, immerhin 2,6 Prozent der Befragten greifen darauf zurück. Autogenes Training oder progressive Muskelentspannung kommt zum Beispiel infrage. "Ich würde mich aber nicht zu sehr darauf verlassen", rät Krebs. Gerade unter Stress funktioniert eine Methode vielleicht nicht. "Dann fühlen sich Betroffene erst recht ausgeliefert und ärgern sich womöglich zusätzlich noch über sich selbst."

Vor einer sehr beliebten Taktik warnt Harald Krebs eindringlich: Beruhigungsmittel zu schlucken. Jeder vierte Befragte, der an Flugangst leidet, versucht, sie mit Medikamenten zu dämpfen. Die körperlichen Nebenwirkungen können allerdings erst recht Angst machen, sagt Krebs – besonders, wenn der Passagier sie vorher nicht kennt. "Einer meiner Patienten nahm einmal eine Beruhigungstablette und bekam davon leichten Schwindel, wie sonst vor einer Angstattacke. Er dachte, die Tablette wirke nicht, schluckte eine zweite und bestellte zusätzlich ein Bier, um die Angst zu betäuben. Die Folge: starke Kreislaufbeschwerden.

Auch Piloten kennen Flugangst

Ein Pilot kennt keine Flugangst, könnte man meinen. "Ganz so muss es nicht sein", sagt Handwerg. Bei den ersten Flügen in sehr kleinen Maschinen spüren Piloten in Ausbildung jede Regung der Luft. "Da wurde mir anfangs auch mal mulmig. Ich wusste noch nicht ­genau, wie sich der Flieger verhält. ­­Vertrauen kommt mit Erfahrung."

Er versuchte sich die Luft vorzustellen wie einen Schotterweg. "Holprig, mit Schlaglöchern, das kennt man und weiß, es ist ungefährlich." Ob so eine Vorstellung schon hilft, ein Flugangstseminar oder eine Verhaltenstherapie – das Ziel ist den Versuch wert: in den Urlaub fliegen zur reinen Erholung.


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