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"'Später' ist als Ausrede sehr effektiv"

Wir nutzen gerne Ausreden, wenn etwas Unangenehmes ansteht. Der Hirnforscher Dr. Kai Fehse erklärt, warum das so ist und wie wir unser Gehirn austricksen können
von Valerie Till, 01.04.2016

Beliebte Ausrede: "Das hat doch noch Zeit..."

Mauritius/Tetra Images

Die Steuererklärung machen, Versicherungen überprüfen oder zur Gesundheitsvorsorge gehen: Oft schieben wir solche unangenehmen Dinge längere Zeit auf, bevor wir sie in die Tat umsetzen. Eine Ausrede wie "Ach, das ist doch jetzt nicht so wichtig, das mach ich später…" wird gerne als Entschuldigung herangezogen. Neurowissenschaftler Dr. Kai Fehse von der Ludwig-Maximilians-Universität in München erklärt, welche Rolle unser Gehirn in Sachen Ausreden spielt und wann sie sogar lebensgefährlich werden.

Hirnforscher Dr. Kai Fehse

W&B/Privat

Herr Dr. Fehse, was sind die beliebtesten Ausreden der Deutschen?

Das kann ich nicht wissenschaftlich belegen, aber ich vermute, der Favorit ist "später". Es ist als Ausrede sehr effektiv. Denn aus "später" wird in den meisten Fällen ein "nie".

Warum nutzen wir Ausreden in unserem Alltag?

Ausreden nutzen wir gerne, wenn wir nicht verzichten wollen. Verzicht auf Alkohol, Nikotin, aber auch Verzicht auf Shopping und Fernsehen: Alles Tätigkeiten, die uns sofort belohnen. Die Bewertung von Handlungsoptionen findet in unserem Stirnhirn, dem medialen Präfrontalkortex statt. In Sekundenbruchteilen. Dort wird auch die Ausschüttung von Dopamin, dem "Glückshormon", ausgelöst. Wird eine unserer Handlungen sofort mit Freude belohnt, dann machen wir das auch sofort. Winkt keine Belohnung, machen wir es erst mal nicht. Dann konstruiert unser Schlaukopf Ausreden.

Können wir unser Gehirn dabei austricksen?

Ja, natürlich. Wir sind Primaten, aber keine Affen. Wir haben nicht nur das Belohnungssystem im Präfrontalkortex, es gibt auch sehr fähige Instanzen in unserem Gehirn, die uns helfen, richtige Entscheidungen auf lange Frist zu treffen. Unser Gehirn ist sehr wohl in der Lage, nachzudenken und dann eine Entscheidung zu treffen, die zum Beispiel erst nach zwei Jahren belohnt wird.

"Ich fühle mich gesund" oder "Die Untersuchung ist mir unangenehm": Warum verwenden wir speziell bei der Gesundheitsvorsorge Ausreden?

Das Problem bei der Vorsorge ist, dass die Belohnung, also der Erhalt des eigenen Lebens, erst sehr viel später eintritt. Also schiebt man auch die Vorsorgeuntersuchung gerne in die Zukunft. Und viel zu oft lässt man es schließlich ganz sein.

Sie haben die Felix Burda Stiftung bei der Konzeption ihrer neuen Kampagne beraten. Sie trägt das Motto "Ausreden können tödlich sein". Warum muss eine Kampagne zu Darmkrebs so drastisch sein?

Die Darmkrebsvorsorge bietet bei wenig Aufwand viel Lohn. Die Krankheit ist im frühen Stadium leicht zu bekämpfen. Ein Aufschub der Vorsorgeuntersuchung, die nur rund 20 Minuten dauert, kann das Leben um 20 Jahre verkürzen. Gerade ab einem gewissen Alter. Die Felix Burda Stiftung leistet hier Aufklärungsarbeit. Ausreden kann man bekämpfen, indem man die Menschen dazu bringt, bessere Erkenntnisse zu gewinnen und disziplinierter zu handeln. Um die Menschen aufzurütteln, darf man selbstverständlich auch den Tod thematisieren. Zumal wir dies auf eine überraschende Weise tun. Und Überraschung macht Freude. Die Pointe einer Geschichte löst in unserem Gehirn Dopamin aus, genau wie ein Schokoriegel.

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Bildnachweis: W&B/Privat, W&B/Jörg Neisel/Fotolia, Mauritius/Tetra Images

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